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Newtopia Meinung: Was ist fake am Reality-Format?

2015-03-1713-27-561

Ist bei Newtopia wirklich alles echt? Oder leben die Hobby-Schauspieler tagsüber in der Scheune, gehen aber nachts ins Hotel und lassen sich ordentlich bewirten?

Die Zweifel der Zuschauer sind prinzipiell vorhanden und werden durch die häufigen Standbilder im Livestream auch nicht weniger. Aber was ist wirklich echt und was ist in Newtopia eigentlich Fake?

Wer nachts in den Livestream schaltet, sieht, dass die Pioniere tatsächlich nicht ins Hotel gehen, um dort zu übernachten. Technisch wäre es vielleicht möglich, schlafende Bewohner aufzunehmen und zu zeigen, aber wie viele Aufzeichnungen hätte man dafür vorbereiten müssen?
Zudem ändern sie Schlafplätze, Kleidung, haben unterschiedliche Schlafenszeiten und viele andere Fakten sprechen dagegen.

Mit Rücksicht auf die mangelnden Einkünfte der Pioniere hat die Tierärztin “aus Zeitgründen” für viele Dienstleistungen noch keine Rechnungen ausgestellt. Dies dürfte man auf jeden Fall als Manipulation verstehen. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass die Produktion zumindest so eng mit der Tierärztin zusammenarbeitet, dass sie vom Sponsoren Toyota mit einem “Dienstwagen” samt Werbefolie (Werbung für ihre Praxis) ausgestattet wurde.

Ein deutlicherer Fake sind die Anweisungen aus der Regie. Anstatt es transparent anzuweisen, wenn irgendwelche Umbauten aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden können, greift man von außen ein und stellt es so dar, als hätten sich die Pioniere anders entschieden.
Ein Beispiel dafür ist das Gewächshaus, welches von Lennert gebaut wurde. Der ursprüngliche Platz für das Gewächshaus versperrte einer Kamera den Blickwinkel. Die Regie rief Sebastian in den Technikraum und gab die Anweisung, es an einen anderen Ort aufzubauen. Nun wäre es völlig in Ordnung, wenn Sebastian wieder zurück gekommen wäre und die Anweisung weiter gegeben hätte. Stattdessen muss er es so aussehen lassen, als würde er den neuen Platz gerade live vorschlagen.
Andere Bewohner drücken es als Visionen aus (Christian: “Ich habe die Vision, dass wir das Gewächshaus gleich unbedingt an den dafür vorgesehenen Platz bringen müssen.”) oder Träume (Diellza: “Ich habe geträumt, dass das Baumhaus gebaut werden sollte und wir es gut vermieten könnten.”).
Es wäre überhaupt kein Problem, wenn die Regie es transparent mitteilt, dass gewisse Bauvorhaben so nicht umgesetzt werden können. Alle Zuschauer wissen, dass es sich um TV-Projekt handelt und die Techniker nicht alle 3-4 Tage die Kameras samt Leitungen umbauen können.
Auch die Unterstützung von Projekten wie das Baumhaus-Hotel könnten direkt und öffentlich genehmigt werden, denn bei aller Slogan-Hascherei (“Neue Welt. Keine Regeln.”) ist dem Zuschauer wohl bewusst, dass Baugenehmigungen eingehalten werden müssen. Über diese Schiene könnte man den Bewohnern mitteilen, dass bestimmte Projekte ruhig weiter verfolgt werden können.

Ob es weitere Anweisungen gab, kann man nicht mit Gewissheit sagen. Natürlich ist es auffällig, wenn Sebastian beispielsweise den “Krawallmacher” Hans im Haus behält und stattdessen eher die ruhige und unauffällige Isolde rauswirft. Immerhin ist Hans ein direkter Konkurrent, auch was die Projekte betrifft, denn beide wollen eine Investition in Höhe von 1.000-2.000 Euro durchsetzen.
Beweise gibt es dafür aber nicht. Genauso verhält es sich mit teambildenden Maßnahmen, die häufig von Derk durchgeführt werden. Sie könnten, zumindest theoretisch, ebenfalls in Absprache mit der Regie durchgeführt werden, um die Pioniere bei Laune zu halten.

Machen wir uns nichts vor. “Newtopia” hat wenig mit dem klassischen Neuanfang in einer neuen Welt zu tun. Es ist vielmehr ein “Big Brother 2.0”, auch wenn die Macher sogar den Vergleich offiziell in ihren FAQ ablehnen und davon sprechen, im Gegensatz zu “Big Brother” würde man nicht im Verlauf der Show eingreifen.
Es geht um eine möglichst gute Unterhaltung, darum Zuschauer zum einschalten zu bewegen, um Quoten, Werbeeinnahmen und was das Business so  mit sich bringt.
Millionen von Menschen haben David Copperfield zugeschaut, obwohl alle wussten, dass er nicht wirklich zaubern kann. Und es würden nicht (noch) mehr Leute abschalten, wenn sie wüssten, dass die Pioniere mit ihren selbstgezimmerten Gewächshaus keine Kamera zustellen sollen. Es ist halt unterm Strich nur ein TV-Format.
Selbst wenn jemand den “Bösewicht” nur spielt, muss der Mensch hinter der Rolle eben damit leben, dass man entsprechend über ihn im Internet urteilt. Dies muss ihm bewusst sein, wenn er vorgibt jemand anders zu sein. Immerhin geschieht dies unter dem Deckmantel des “Reality-Formates” und nicht in Form einer ordentlichen Schauspielleistung in einem Film oder einer Serie.

Bild: SAT1

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