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Ist das Ende von #Newtopia die richtige Entscheidung?

Newtopia

SAT1 hat Newtopia vorzeitig beendet. Während in den sozialen Netzwerken die Stimmung zwischen Traurigkeit und Schadenfreude wechselt, möchten wir uns die Frage stellen, ob die Entscheidung richtig war.
Klar, man könnte nun sagen, die Entscheidungen eines TV-Senders sind immer richtig, immerhin sitzen dort ja Menschen, die damit ihr Geld verdienen. Aber Politiker verdienen ihr Geld auch mit Politik. Wer würde behaupten, die machen alles richtig?
Nur weil jemand sein Geld mit etwas verdient, müssen die Entscheidungen längst nicht alle richtig sein. Das erkennt man auch gut daran, dass SAT1 insgesamt in der TV-Landschaft eine immer unwichtigere Rolle spielt und im Umkehrschluss wohl häufiger mal falsche Entscheidungen getroffen werden.
Aber genug zu der Frage, ob man darüber überhaupt diskutieren darf, wir sind unabhängige Blogger, wir dürfen grundsätzlich alles diskutieren.

SAT1 hat die Messlatte extrem hoch gelegt, als sie bereits vor dem Beginn von Newtopia eine zweistellige Einschaltquote einforderten. Wer sich mit Marktanteilen und Einschaltquoten nicht so beschäftigt, dem kann es vielleicht so erklären:
für die TV-Sender sind die Sendungen um 19 Uhr sehr wichtig. Je mehr Menschen um diese Zeit z.B. bei SAT1 zuschauen, desto mehr können auch mit rüber in die sogenannte “Prime Time”, also dem Hauptprogramm um 20-20.15 Uhr gezogen werden. Der 19-Uhr-Platz ist hart umkämpft und es gibt unseres Wissens aktuell keinen Sender, der regelmäßig zweistellige Einschaltquoten einfährt. Man darf also getrost von einem “Himmelfahrtskommando” sprechen, auf das SAT1 die Produktionsfirma und die Teilnehmer von Newtopia da schickte.

SAT1 wollte eine tägliche Reality-SOAP ausstrahlen, entsprechend wurde die erste Besetzung von Newtopia zusammengestellt. Die Charaktere und Typen waren so wild gemischt, dass man möglichst viel Zündstoff und Soap-Sendematerial bekommen würde.
Auf der anderen Seite war der Zuschauer, der gar keinen Trash-TV erwartete, sondern Menschen mit Ideen und Tatendrang, die etwas aufbauten. Das war der erste große Fehler von SAT1: sie wollten einfach nur “Trash”, der Zuschauer wollte an einem Abenteuer teilhaben.

Als dieses Abenteuer ausblieb und die Zuschauer fernblieben, erhöhte SAT1 den Druck und Talpa rotierte. Es entstand der Aktionismus, der in der berühmten Nacht-Sitzung mit der Produzentin gipfelte. Nachdem SAT1 und Talpa sich als grottenschlechte Krisenmanager darstellten, war das Image bereits zu stark beschädigt.

Wie man sehen kann, sind Entscheidungen der TV-Macher offensichtlich nicht immer so richtig…
Und genauso ist es auch mit dem Zeitpunkt, Newtopia den Todesstoß zu verpassen!

Wie war der Status Quo?
Es ist Sommer, es sind Sommerferien. Grundsätzlich ist das die Zeit, in der Menschen weniger TV schauen. Und ganz besonders um 19 Uhr haben die Menschen andere Interessen, als vor dem TV zu sitzen.
Für Newtopia hat man mittlerweile Teilnehmer gefunden, die grundsätzlich bereit sind, etwas aufzubauen. Man hat im Hintergrund ein bisschen gelästert, aber man hatte auch den Willen, etwas zu schaffen. Natürlich entsprach der Fleiß und das Ergebnis noch nicht den Erwartungen der enttäuschten und strengen Zuschauer, aber es war auf einem guten Weg.
Zuschauer, die nach der Sommerzeit wieder reingeschaut hätten, wären überrascht und neugierig gewesen, was sich da geändert hat…
Diese Änderungen hätte man tatsächlich durch die Crowdfunding-Vision realisieren können. Vielleicht hätte der Zuschauer keine Unsummen gespendet, aber es wäre auch eine Option gewesen, dass man selbst als Sender in das Projekt investiert und somit die Weichen für die Zukunft von Newtopia stellt. Der Zuschauer hätte das Abenteuer bekommen, welches er sehen wollte. Stattdessen bekam SAT1 Angst und hat die vertragliche Option vom vorzeitigen Ende gezogen.

Unser Fazit dürfte damit klar sein. Die Erwartungen von SAT1 waren unrealistisch und der eingeschlagene Weg zum Ziel war falsch. Als es möglich war, die Ausrichtung zu ändern, fehlte der Mut, durch das Sommerloch zu gehen und weiter zu machen. Die Entscheidung ist im doppelten Sinne falsch und traurig, weil man das Format “Newtopia” in Deutschland wohl somit verbrannt hat. Sollte man, mit Abstand betrachtet, die Fehler einsehen und das eigentliche Potential des Formates neu entdecken, kann man es nicht mehr nutzen. Das ist so, als hätte man am Wochenende, wo die die Werkstätten geschlossen sind, einen platten Reifen am Neuwagen und würde ihn deswegen verschrotten.
SAT1 sprach in der offiziellen Pressemitteilung davon, auch weiterhin mutig an neuen Formaten zu arbeiten. Es bedarf aber keinen Mut, diese “Hire&Fire”-Mentalität fortzusetzen. Mutig wäre es gewesen, gemeinsam das Tal zu durchschreiten und an die eigenen Entscheidungen, Newtopia ins Programm zu nehmen, zu glauben.

Bild: SAT1

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4 Kommentare zu “Ist das Ende von #Newtopia die richtige Entscheidung?

  1. eine super Analyse, nur leider hilft sie uns nicht mehr. Ich bin tottraurig und enttäuscht über das plötzliche Ende. Es fing doch grad an zu laufen.Das Sommerloch hätten sie ruhig noch aushalten sollen. Ich hoffe, die Ersatzsendung geht so richtig baden.

  2. Sicher hatten viele Zuschauer am Anfang etwas ganz anderes erwartet, mich nicht ausgenommen. Mehr „survival“, mit wenig auskommen, Zusammenraufen zu einer Gemeinschaft, echtes Grundeinkommen verdienen (statt bezahlte Pseudo Veranstaltungen), usw.
    Viele Fehler wurden von Talpa sat1 gemacht. Ein Durchziehen in Bezug auf spätere „Staffeln“ wäre notwendig gewesen. So ist die Sendung definitiv in D gestorben für immer.
    Bzgl. Crowdfunding Vision (Nils Vision) : viele hätten dann wahrscheinlich nicht mehr geschaut, 15 Pioniere in ihren Hüttchen am chillen. Nein Danke. Dann besser etwas für einen guten Zweck spenden und das reale Hilfsprojekt verfolgen. Dazu brauchts keine TV Sendung.

  3. Fakt ist doch aber auch das mit dieser Gurkentruppe ein autarkes Leben OHNE Eingriff von Talpa nie und nimmer passiert wäre.. hieße immer und immer wieder Geld reinbuttern…

    Was haben wir denn die letzen Wochen gesehen? Schlecht gelaunte, egoistische und überwiegend faule Menschen, die nur an saufen, rauchen und Medikamente denken.

    Pfiffig und einfallsreich waren sie alle, wenn es um ihre persönlichen Belange, Gelüste und Süchte ging. Kritikfähig jedoch war kein einziger. Und eine funktionierende und innovative Gemeinschaft wurden sie und wären sie nie geworden. Dafür waren sie zu egoistisch, zu dumm, zu faul und zu hinterlistig. Und die wenigen Ausnahmen wurden vom Rest mehr oder wieder niedergemacht oder mit Häme bedacht.

    Es hat ein Führer gefehlt, auch Derk war für viele sicher Nie die Leitfigur die es da drin gebraucht hätte, dazu kommt das die Leute draußen den Leuten es nicht mehr abnehmen, was soll man denn von einer Julica halten?! Wo man aus 20m Entfernung sieht das sie NUR da drin ist um sich zu vermarkten und ihre Produkte auch noch fein für alle sichtbar in die Kamera hält.

    Solche wie Diego, Vika und Enno hätte es von Anfang an gebraucht, dann wäre das natürlich auch ohne den 33h Cut und Candy 2.0(was meiner Meinung nach beides der Genickbruch war) alles (vielleicht) anders gelaufen. den Meißten hat man angesehen das Sie das eigentliche Newtopia 0 interessiert, der einzige dem ich es bis heute wirklich! abhehme ist Basti!! Und der ist für mich der wahre Gewinner weil er diesen Schauspielerkurs dort nicht mehr mitmachen wollte

  4. Mit schön-reden und relativieren wird aus Dreck auch nichts anderes.
    Ihr solltet Eure Energie für die Aufklärung der Zuseher verwenden, statt für diese Gossensender mit ihren Unterschichtenformaten auch noch Verständnis aufzubringen und Tipps zu geben, wie man den Mist besser kaschiert, damit mehr Zuseher darauf herein fallen.

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