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"Neue Brücken" – Fremdenfreund, Fremdenfeind

Wenn man in diesen Tagen durch die News-Portale und sozialen Medien klickt, wird man förmlich mit dem Themen „Flüchtlinge und Fremdenhass“ überflutet. Spiegel, Focus, Stern, BILD, TV-Sender, Moderatoren, Sänger, Schauspieler, Radiosender… Jeder hat etwas zu sagen, zu berichten, zu schreiben, ein Zeichen zu setzen oder den Wunsch, auf etwas aufmerksam zu machen.
Wir dürfen uns nichts vormachen. Die großen Medien berichten nicht nur, weil sie sich moralisch verpflichtet fühlen, sondern weil es trotz allem auch polarisiert und Aufmerksamkeit weckt.
Da wird dann schon einmal gern über den katastrophalen Zustand in einem Flüchtlingsheim berichtet, auf dessen Toiletten es kein WC-Papier gibt. Ob die Leitung vielleicht aufgrund der Überfüllung dazu übergegangen sein könnte, den Menschen WC-Papier auszuhändigen, welches einfach, wie bei einigen Campingplätzen üblich, selbst mit zum Toilettengang genommen werden soll? Es hätte Vorteile: wer auf dem Thron sitzt, ist selbst dafür verantwortlich, dass auch welches vorhanden ist. Vielleicht ist das so. Man kann es nicht wissen, denn augenscheinlich wurde diese Möglichkeit nicht bedacht. Schnell schreiben, schnell veröffentlichen, bevor ein anderer die Klicks bekommt.
Auf der anderen Seite tobt der Mob im sozialen Netzwerk. Alles Verbrecher. Alle abschieben. Gefolgt von 1000 Vorschlägen, sie zu foltern und zu töten.
Warum ist man darüber verwundert? Man braucht nur ein Video zu posten, indem jemand eine Katze tritt, schon bekommt man die gleichen Reaktionen: „$Beschimpfung, sollte man foltern/treten/schlagen/töten/kastrieren/nachträglich abtreiben“.
Das sind keine Nazis. Die sind nicht einmal wirklich rechtsradikal. Die sind einfach nur menschlich verroht und würden ähnliche Kommentare auch zu jedem anderen Thema abgeben. Warum das so ist? Es ist auch uns ein Rätsel, warum Facebook, als gefühlter Spitzenreiter in dieser Kategorie, diese Seiten in den Menschen hervorruft.
Man erkennt es auch daran, dass diese Kommentare nicht nur in einer Richtung gehen. Auf einen Spendenaufruf, indem ein Flüchtlingsheim u.a. 100 Tischtennisschläger sucht, fragt ein potentieller Spender: „Ich habe welche, die könnte ich da abgeben. Aber brauchen die wirklich 100 Stück?“.
Legitime Frage. Es könnte ja auch ein Tippfehler sein. Vier Kommentare später aber war der potentielle Spender ein Nazi, sollte verprügelt werden und man rief dazu auf, ihn beim Arbeitgeber zu melden, damit der ihm kündigt.

Das alles relativiert die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland nicht. Wenn in Sachsen an der Straße junge Frauen stehen und die Bundeskanzlerin mit dem Wortschatz eines durchschnittlichen „Scripted Reality-Zuschauers“ beschimpfen, Brandbomben fliegen und man den rechten Arm zum Gruß ausstreckt, dann ist das eine Schande. Und zu allem Überfluss ist es auch noch völlig kontraproduktiv!
Der besorgte Mensch, mit Angst vor Fremden und tausend Fragen, von Vorurteilen und Halbwissen beeinflusst, wird keine Antworten, Kompromisse oder Aufklärung bekommen, wenn er Häuser ansteckt und den Hitlergruß macht. Dann nämlich konzentriert sich die Politik darauf, „den Fremdenhass in aller Schärfe zu verurteilen“, anstatt für Antworten, Lösungen und Aufklärung zu sorgen.
„Neue Brücken“ braucht es. Zwischen den Fremden auf der Flucht, den besorgten Menschen im Lande und der Politik. Es können doch unmöglich alle so eingefahren sein, dass man nicht den Weg über eben diese neuen Brücken findet und gehen kann?

Aus diesem Grund möchten wir Euch ein Lied der Gruppe PUR mit auf dem Weg geben. „Neue Brücken“ ist vor 21 Jahren (!!) erschien. Und ist heute genauso aktuell, wie damals. Das sollte uns allen zu denken geben. Unser aller Leben hat sich in über zwei Jahrzehnten so sehr weiterentwickelt. Warum nicht auch bei diesem Thema?
Hört es Euch an, hört genau zu. Es könnte doch ein Anfang sein, neue Brücken zuzulassen.


 

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