Ein Kommentar

Samthandschuhe für die "Promis" – Der Unterschied zwischen #PromiBB und #IBES

Seit gestern Abend ist Promi Big Brother 2015 bereits wieder TV-Geschichte. Mit David Odonkor geht ein Sieger in die Statistiken ein, bei dem man sich anfangs fragte, wie er überhaupt dazu kommt, an diesem Format teilzunehmen. Mittlerweile scheint die Frage beantwortet: er möchte seinen Keller weiter ausbauen. Beantwortet wurde sie, aber verstehen muss man das ja nicht.

In der Anfangsphase dieser Staffel sorgte man sich etwas um die Einschaltquote. Der kritische Blick auf Zahlen, Prozente und Marktwerte fand aber durchaus auf hohem Niveau statt. Mit zunehmender Dauer legte Promi Big Brother aber stetig zu und fuhr am Ende immer höhere Staffelrekorde ein.

Promi Big Brother sollte ein Konkurrenzprodukt zum etablierten Dschungelcamp werden und hat es auch wohl im dritten Jahr geschafft. Dabei unterscheiden sich die Formate in einigen wesentlichen Punkten.
Promi Big Brother und das Dschungelcamp haben sich zur Aufgabe gemacht, mehr oder weniger prominente Menschen mit Geld und Aussicht auf Rampenlicht vor die Kameras zu locken.
Wenn sich Prominente im Dschungel von Australien zu sehr der eigenen Selbstdarstellung widmen, wird dies von den Machern der Sendung direkt abgestraft. Die Kommentare werden bissiger und gern überführen die Kameras den entsprechenden Prominenten auch direkt als Lügner.
Promi Big Brother hingegen spielt den Selbstdarstellern, seien die schauspielerischen Leistungen auch noch so schlecht, zu. Die Szenen werden mehr oder weniger unkommentiert gezeigt, der Moderator erlaubt sich vielleicht einmal einen kleinen Flachwitz darüber, meistens kommentiert er es aber nur mit einem Lächeln, gelegentlich mit einem Augenrollen. Und wenn Cindy mit ihrer aufgesetzten „Rundumschlag-Nummer“ auf der Bühne erscheint, gehen die meisten Zuschauer sowieso zur Toilette.

Der große Bruder verkauft uns die Bewohner, deren Namen man teilweise erst einmal googeln muss, als Prominente und weicht auch nicht davon ab. Im Dschungelcamp sprach der große Dirk Bach einst den Satz: „Wir brauchen keine Prominenten, wir brauchen gescheiterte Existenzen.“. Das Format macht keinen Hehl daraus, dass man keine Top-Promis verpflichtet, sondern Menschen, die entweder ihre Karriere irgendwann in den Sand gesetzt haben, oder solche, die unbedingt berühmt werden wollen und alles dafür tun, solange sie nur kein bürgerliches Leben führen müssen.

Im Dschungelcamp ist es gefährlich. Man muss sich nicht unbedingt vor Tieren oder Pflanzen fürchten, sondern vor den Machern und den Medien. „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ bietet den Prominenten die Möglichkeit, sich wieder ins Rampenlicht zu stellen. Wer aber nichts kann und sich mit billiger Selbstdarstellung inszenieren will, wird gnadenlos vorgeführt und verspottet. Schnarchnasen werden mit Ignoranz und gelegentlichen Seitenhieben bestraft. Und wer auf eine natürliche Art und Weise unterhält, weil er sich einfach richtig gut verkaufen kann oder tatsächlich ein unterhaltsamer Mensch ist, der wird in der Regel auch entsprechend dargestellt.
Bei Promi Big Brother hingegen hatte man das Gefühl, je wichtiger man sich selber nimmt und so schlechter man schauspielert, desto mehr Zucker wird einem in den Allerwertesten gepustet.

Was uns auch auffiel, dass SAT1 und Endemol scheinbar die, mittlerweile sehr beliebte, Internet-Lästerei unter eigener Kontrolle haben wollte. Wie beim Dschungelcamp fand anfangs auch die Webshow auf BILD.de unter der Leitung des BILD-Reporters Ingo Wohlfeil statt. Später stellte man ihm mit Cindy aus Marzahn eine Mitarbeiterin zur Seite, die man selbst unter Vertrag hatte. Mittlerweile wurde die Webshow komplett in die eigene Hand genommen und mit Ex-Bewohner Aaron besetzt, der natürlich nicht ansatzweise das Hintergrundwissen und den Stand hat, die Punkte so anzusprechen, wie Ingo Wohlfeil.

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Ein Kommentar zu “Samthandschuhe für die "Promis" – Der Unterschied zwischen #PromiBB und #IBES

  1. Kompliment und Danke für alle Beiträge zu Newtopia und PromiBB! Betreibe selbst seit 7 Jahren eine (spezielle Interessen-) Seite und habe eine gute Vorstellung zum Zeitaufwand und die „Anstrengung“ im Spagat persönliche Meinung und möglichst sachliche Textformulierungen. Gut gemacht! Ich werde auch bei künftigen „Trash-TV“-Reportagen mitlesen! LG Ilse http://www.linedancefibel.de

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