#ESC: NDR mit Rückzieher – Xavier Naidoo doch nicht zum Eurovision Song Contest

Naidoo_Popakademie

Als der NDR der Öffentlichkeit mitteilte, Xavier Naidoo würde für Deutschland am Eurovision Song Contest teilnehmen, begann in den Medien und sozialen Netzwerken ein echter Shitstorm. Die Betonung dürfte hierbei ausdrücklich auf Shit liegen.

Xavier Naidoo ist ein Rassist. Xavier Naidoo ist homophob. Und überhaupt ist Xavier Naidoo ja gar nicht von den Zuschauern gewählt worden.

Es steht nirgends geschrieben, dass die Zuschauer den Künstler für den ESC wählen dürfen. Auch in der Vergangenheit wurden welche vom verantwortlichen Sender ausgewählt und „Ende im Gelände“. Dieser Punkt ist also schlichtweg hinfällig. Zudem man sogar noch verschiedene Songs zur Wahl stellen und so den Zuschauer trotzdem teilhaben lassen wollte.

Die oft zitierten Aussagen von Xavier Naidoo sind zum Teil sehr verwirrend, das können wir nachvollziehen. Genauso sind die vielen Gedanken, die er sich zu den unterschiedlichen Themen macht, häufig kontrovers. Aber fordern wir nicht immer, unsere „Stars“ sollen ihren eigenen Kopf haben und nicht immer nur weichgespülte 08/15-Interviews geben?

Für uns erschließt sich der Sinn hinter den Rassismus-Vorwürfen nicht. Xavier Naidoo ist ganz offensichtlich nicht gerade ein Vorzeige-Arier. Er fördert und arbeitet mit Musikern unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, bestärkte einst Voice-Kandidatin Dilan Koshnaw darin, in ihrer kurdischen Landessprache zu singen, ließ sie gemeinsam mit dem – übrigens homosexuellen – Rino Galiano den zweisprachigen Song „Desert Love“ aufnehmen und veröffentlichen.
Was immer Xavier Naidoo mit seinen Aussagen der Welt auch mitteilen wollte, er allein wird die Antworten darauf geben können. Nur sollte unsere Unwissenheit über die wahren Hintergründe kein Kriterium dafür sein, dass wir über die offensichtlichen Tatsachen, wie eben seine Hautfarbe, hinwegsehen.

Wie dem auch sei. Wir verstehen uns nicht als moralischer Anwalt für den Musiker Xavier Naidoo. Der NDR stellte klar, dass ihrer Meinung nach Naidoo weder rassistisch noch homophob ist. Nur wolle man mit der polarisierenden Entscheidung und den kontroversen Diskussionen dem ESC nicht schaden.
Wir finden das gut. Naidoo ist einer der größten Musiker Deutschlands. Und wir sollten wirklich nicht Perlen vor die Säue schmeißen. Ein weiterer Song von Ralph Siegel oder irgendeiner Nachwuchskünstlerin die mit Tränchen in den Augen ihrer Mutter dankt, ehe sie beim eigentlichen Wettbewerb Null Punkte holt, ist uns auch lieber. Genau genommen sollte der Wettbewerb den Künstler bekommen, den er verdient. Jemand der es so ernst nimmt wie einst Guildo Horn und die Stimme von Zlatko hat.

Wirklich traurig ist doch eigentlich nur, dass dieses alljährliche Debakel maßgeblich von unserer „Zwangsabgabe“ für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mitfinanziert wird. Im Vergleich dazu ist der feige Rückzieher durch den NDR ein wirklich sehr kleines Übel.

Bild: Unter CC

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