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Von der Polizei vom Gelände vertrieben: Eine Art Nachruf auf #YouTopia

unklAuf der Suche nach Einschaltquote im berüchtigten 19 Uhr Slot begab sich SAT1 auf neue Wege und importierte das TV-Format Newtopia. Während für Bundeskanzlerin Merkel das Internet als Neuland gilt, war es für SAT1 das Genre „Reality-TV“. Statt Realität wollte der Sender lieber eine Soap. Und anstelle des Merkel-Mottos „Wir schaffen das“, zog der Bällchensender den sprichwörtlichen Schwanz ein und beendete das Format frühzeitig.
Eine Soap später, Mila wurde sie genannt, ging der SAT1-Chef und der Neue probiert es nun mit einer Doku-Soap-Verbrechen-Irgendwas.
Dabei liefert der, mehr oder weniger private, Nachfolger von Newtopia mehr Geschichten, als sich auch der kreativste Script-Autor hätte einfallen lassen können…

Als Youtopia startete, war die Freude in der Fan-Community erst einmal groß. Kein Wunder, denn irgendwie waren die Geschichten in der Scheune die große Unvollendete in der deutschen TV-Landschaft. Von heute auf morgen abgesetzt, besonders die Live-Zuschauer befanden sich auf einen kalten Entzug.
Anfangs sollte Youtopia ein Mischung aus Mitmach- und Youtube-Projekt werden. Sogar ein 24/7-Livestream kündigte man für die ferne Zukunft an. Am Ende war es dann eine Zwangsräumung durch den Gerichtsvollzieher, begleitet durch ein großes Aufgebot der Polizei, Veterinär und sogar von einem Krankenwagen und eingesperrten Menschen war die Rede.

Ein wenig Licht ins Dunkle brachte die Newtopia/Big Brother-Radion Sendung vom vergangenen Freitag, in der sich einige Beteiligte zum Geschehen äußerten.
Was dort alles zur Sprache kam, würde, im Detail thematisiert, den Rahmen sprengen.
Der Besitzer des Geländes, Dirk Thümmler, ist mittlerweile in der Privat Insolvenz. Von fragwürdigen Scheinfirmen, zwielichtigen Verträgen und augenscheinlichen Versuchen, über eine verzwickte Taktik den Abriss der Scheune zu verhindern, bis hin zu Vorwürfen, man habe fahrlässig die Existenzen von den Bewohnern bedroht, um dieses Ziel zu erreichen, wurde in der Sendung diskutiert.
Von Thümmler selbst gab es viel Gerede, aber wenig klare Aussagen. Allein das kann man ihm nicht vorwerfen, denn leider ist die Geschäftswelt nun einmal häufig verzwickt und wer sich da unter Umständen verrannt haben könnte, sollte möglichst nicht in öffentlich in einer live gesendeten und aufgezeichneten Webradio-Sendung darüber zu viele Details verlieren.

Bewohner, die offenbar erst Stunden vor der Zwangsräumung von der Situation durch die Aufklärung von Newtopia-Freund und Rechtsanwalt Volker Löschner erfahren haben, packten eilig ihr Hab und Gut, um sich aus den Staub zu machen, bevor die Justiz ihnen das Kissen unterm Hintern wegpfändet. Und offenbar wollte eine Person sogar das noch verhindern. Es hieß, einzelne Menschen wurde die Abfahrt durch blockierte Wege und verschlossene Tore zunächst verweigert.

Aber im Rahmen dieser Sendung wurde auch klar, wie zerstritten und uneinig die Teilnehmer sich über kleinere und größere Themen waren. Angefangen damit, dass man sich live als „Wichser“ beschimpfte und herauskam, dass Don Diego bereits vor einiger Zeit alles wieder aufgeben wollte.
Hätte Youtopia solche Inhalte live gesendet, wären wohl nicht nur die Klickzahlen in die Höhe gegangen, vielleicht hätte sogar der Gerichtsvollzieher die Akte im Stapel nach unten gelegt, um mitzubekommen, wie es mit diesem Haufen Hobby-Pioniere noch weitergeht….

Mittlerweile haben die Abrissarbeiten auf dem Gelände begonnen. Wo früher Schaufeln und schwitzende Pioniere zu sehen waren, erledigen nun wohl Bagger die Arbeit und beseitigen die letzten Erinnerungen an SAT1`s „Biggest Fail“.
Die undurchsichtigen, geschäftlichen Geschichten sind aber nicht die einzigen Punkte, die rund um Youtopia falsch liefen.
Schon nach wenigen Wochen hat die Fan-Community schon wieder ihr hässliches Gesicht gezeigt. Anstelle von konsumierenden Zuschauern fühlten sich etliche Personen schon wieder dazu berufen, über das Projekt und die Ausrichtung bestimmen zu dürfen. Nicht unbedingt konstruktiv, aber dafür stur und unbeirrt.
Begründet u.a. dadurch, dass sie Fan-Seiten auf Facebook betreiben oder sonst irgendeine Form der Unterstützung liefern würden, sei es auch nur ein Daumen hoch für jeden Beitrag. Wer solche Zuschauer hat, braucht keine Feinde im Rathaus oder eine Insolvenz.
Das die Zwangsräumung letztendlich das Ende nur beschleunigt hat, hat aber nicht nur damit zu tun, sondern auch mit der Verhalten der Aktiven selbst.
So wurde beispielsweise der 24-7-Livestream während einer Live-Übertragung grundsätzlich [!!!] als völlig absurde Idee abgetan, während dieses Ziel auf der offiziellen Homepage noch groß angekündigt wurde. Überhaupt wurde nie wirklich klar, was die Teilnehmer, außer „Entschleunigen“, einem Garten und gelegentliche Veranstaltungen für ein Konzept hatten?

Live-Schaltungen wurden angekündigt, fielen dann aber immer wieder aus. Wenn es Live-Schaltungen gab, fand sie mit launischen Bewohnern, teils unter Alkoholeinfluss und mit einer Stimmung statt, die einem die Lust nahm, darüber auch nur zu berichten.
Ein Newsfeed fand eigentlich gar nicht statt. Wer die Neuigkeiten wirklich mitbekommen wollte, musste Facebook-Gruppen und Seiten, die Homepage, den YouTube-Kanal und zahlreiche andere Quellen absuchen, um etwas zu finden.
Noch heute ist mir als Außenstehender nicht ganz klar, warum eine Bewohnerin das Projekt vorzeitig verließ und ob die sogenannten Pioniere am lieben langen Tag noch etwas anderes gemacht haben, als sich vom „Rouladen-Mark“ bekochen zu lassen, Pferdeäpfel aufzusammeln und flaschenweise Bier, wahlweise am Tisch oder Grill, zu trinken.

Einige der Fehler wollte man offenbar beheben. Aber wer zu spät kommt, wird bekanntlich vom Leben bestraft. Offensichtlich war entschleunigen hier nicht das Mittel der Wahl. Besser wäre es wohl gewesen, frühzeitig „den Finger zu ziehen“, wie Enrico es einst nannte. Und am besten hätte man den Anfang hinter den Kulissen mit einigen rechtlichen und geschäftlichen Angelegenheiten gemacht.
Anstelle eines gut durchdachten Projektes gab es so nur eine Bestätigung dafür, dass SAT1 sich zwar einen dicken Klops geleistet hat – die „halbprivate“ Initiative rund um Youtopia das ganze aber noch einmal überboten hat.

 

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2 Kommentare zu “Von der Polizei vom Gelände vertrieben: Eine Art Nachruf auf #YouTopia

  1. Ihr könnt es wohl immer noch nicht lassen.
    Was ist denn so schwer daran einzusehen, dass dieses „Format“ unterste Gossenkost für Gossen war, also etwas, was gar nicht hätte in die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

    Diesem Dreck so viel Aufmerksamkeit zu schenken, ist Eurer Kompetenz doch eher abträglich, ich kann das nicht nachvollziehen.
    Dass das prekäre Unterschichten-Radio von Alex sich diesen Müll rein pfeift und auszuschlachten versucht, kann man ja nachvollziehen, aber 9Uhr35?

    Ich hoffe dass es damit nun abgehakt ist.
    Wem die unterste Schublade RTL II nicht tief genug ist, dem kam dieser Müll natürlich gelegen.
    Da gibt es auch nichts mehr schön zu reden: BB und alle Imitate danach sind endgültig tot. Schon lange. Das sollte doch langsam bei allen angekommen sein.

    • Wir verfassen diesen Artikel lediglich, damit wenigstens Du hier mal etwas kommentierst. Leider ist dieser Grundgedanke von Blogs, Foren etc. immer weiter in den Hintergrund geraten, deswegen freuen wir uns um so mehr, wenn wir Dich lesen: auch, wenn Du meckerst ;-)

      MfG
      O.

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