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Fernbedienung: Schaltet den Trash ab – schnell!

fadenkreuz transparentBereits vor einigen Monaten kündigte RTL ein neues Sendeformat an: „Raus aus der Armut – Ein Koffer voller Chancen“ lautet der Arbeitstitel der neuen Sendung. In England wurde die Endemol-Produktion unter dem Titel „The Great British Benefits Handout“ gesendet.

Wenn ein privater Sender, allem voran RTL, ankündigen, Hartz IV – Empfänger vor die Kamera zu holen, gefriert mir schon das Blut in den Adern. Auch wenn sie noch so oft erzählen, sie würden damit irgendwelchen Leuten irgendwelche Chancen ermöglichen wollen, der Magen dreht sich um und man kann nur das Schlimmste erwarten.
In „Raus aus der Armut…“ sollen die Familien einen Koffer voller Geld bekommen. Allein das Gerede vom Koffer ist schon mal eine Manipulation des Zuschauers. Es handelt sich nämlich um die Summe, die der Hartz IV – Familie normalerweise in einem Jahr an Sozialleistungen zustehen würden. Wie hoch diese Summe normalerweise wäre, hängt von der Familienkonstellation, vom Wohnort und einigen anderen Faktoren ab. Scheinbar geht man aber großzügig von rund 25.000 Euro aus.
Wer braucht für eine solche Summe einen Koffer? Das bekommt man bequem in einen Briefumschlag unter.
Im Gegenzug verzichtet die Familie 6 Monate auf die tatsächlichen Bezüge und lässt sich von RTL dabei filmen, wie sie damit versuchen ein neues Leben aufzubauen.

Nun kann man selbst als größter Optimist nicht mehr daran glauben, dass TV-Sender irgendein Interesse daran hätten, für Empfänger von Sozialleistungen den rettenden Engel zu spielen. Über die unzähligen „Doku“-Formate im deutschen Fernsehen und wie diese in Wirklichkeit entstehen, kann man online genug erfahren. Umso schlimmer ist es, dass es immer noch Menschen gibt, die sich für diese Formate bewerben.
Natürlich zählt auch hier einzig und allein die Einschaltquote, die gegen die Produktionskosten aufgewogen wird. Und um diese zu erreichen, benötigt man keine Familien, die einen Businessplan haben und wissen, wie sie ihn umzusetzen haben.
Es würde einer TV-Sensation gleichkommen, wenn für „Raus aus der Armut…“ keine Menschen vorgeführt und notfalls manipuliert werden, um irgendeine Geschichte zu erzählen, bei der die verantwortlichen Aufnahmeleiter der Meinung sind, man könne so die notwendige Einschaltquote generieren.
Und das letzte, was ich mir für die deutsche TV-Landschaft wünsche, sind noch weitere Trash-Formate, die mit einer realen Darstellung nichts gemein haben. Karl Lagerfeld soll mal gesagt haben, wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Aber so richtig unten ist nur der, der sich von getauschten Frauen (in verschiedenen Haushalten), Auswanderern, Wohnungssuchenden, Menschensuchenden, Liebe- und Hilfesuchenden Gedöns im deutschen Trash-TV noch unterhalten fühlt. Es ist unwahrscheinlich, dass sich „Raus aus der Armut…“ nicht in dieser Reihe der massiven Volksverblödung einreiht. Aber natürlich lasse auch ich mich gern eines Besseren belehren und werde mir die erste Ausgabe fairerweise ansehen, um endgültig darüber urteilen zu können.

HG

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