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#DSDS Sieger Prince Damien, der 6 Euro Job und die wunderbaren Kommentare auf Facebook

Unser heutiger Beitrag zu „Menschen & Geschichten“ führt uns zu einer weiteren Episode des Irrsinns, der in den sozialen Netzwerken herrscht.
Vorweg müssen wir vielleicht aufklären, dass der Autor dieses Artikels vor 10 Jahren die letzte Staffel „Deutschland sucht den Superstar“ verfolgt hat und es deswegen fast unmöglich ist, noch schlechter über den letztjährigen Gewinner informiert zu sein….

Mit folgendem Facebook-Posting warb die BILD für einen ihrer „Plus“-Artikel:

prince damien dsds 6 euro job

DSDS polarisiert. Zumindest die RTL-Zuschauer. Und deswegen ist nachvollziehbar, wenn auch nicht verständlich, dass die BILD mit der Überschrift hauptsächlich diejenigen anlocken möchte […der Artikel ist immerhin kostenpflichtig!], die sich am tiefen Sturz eines DSDS-Siegers ergötzen möchten.
Allerdings ist schon der Kommentar der Online-Redaktion („…hörte man kaum noch einen Ton vom Sänger…“) falsch. Immerhin hatte er erst am Wochenende einen großen TV-Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Im Artikel selbst geht es darum, dass er immer noch Tanzunterricht gibt. Die Teilnahme im Rahmen einer Probestunde kostet 6 Euro. Das mache er, so der Sänger, weil es ihm weiterhin Spaß macht und nicht, weil es mit der Musik nicht mehr laufe.

Und jetzt kommen wir zu den Kommentaren, die wir aufgrund der besseren Lesbarkeit mal im Wortlaut zusammenfassen.

„Der hat 500.000 Euro gewonnen. Damit hätte man sein Leben lang ausgesorgt, selbst wenn man es zum schlechtesten Kurs anlegt.“
Wir sind uns sehr sicher, dass dieser Kommentar von einem absoluten Finanzgenie stammen muss. Er dürfte damit das Problem lösen können, welches viele Sparer gerade aufgrund der hundsmiserablen Zinsen plagt.

„Ihr seid Trottel bei BILD. Das kann nicht sein. Wir haben Mindestlohn in Deutschland!!“
Ja, wir haben einen Mindestlohn. Und jede Menge Ausnahmen für Branchen, die sich nicht an den Mindestlohn halten brauchen. Würde man mehr als nur die Überschriften lesen, hätte man das damals zur Einführung des Mindestlohns auch leicht mitbekommen können.

„Ist er doch selbst Schuld, wenn er für die Kohle aufsteht.“
Mal abgesehen davon, dass diese ganze 6 Euro Stundenlohn-Diskussion völlig hinfällig ist, weil es sich wohl um eine Teilnehme-Gebühr und nicht um einen Stundenlohn handelt, wäre die Alternative wohl „gar nix machen“. Wie die Reaktionen dann ausfallen würden, wäre auch klar, oder?

„…den habe ich noch nie im Radio gesehen.“
Ok, das haben wir allerdings auch noch nicht. Und das hat er mit den größten der Größen in der Musikbranche gemeinsam: im Radio müssen sie alle ohne Bild-Übertragung auskommen.

„Wann kapiert RTL das endlich? Die investieren tausende von Euro in einen Typen und dann wird der eh kein Star.“
Also hier hat jemand das komplette System falsch verstanden. Und zudem noch ein paar Nullen vergessen.
Natürlich sind Einschaltquoten und die Vermarktung des Programms an Werbetreibende das eigentliche Ziel. Was anderes wäre ja auch totaler Unsinn.

„Mit den 500.000 Euro hätte ich 2 Wohnungen gekauft, hätte sie vermietet und müsste nie wieder auch nur einen Cent woanders verdienen.“
Das war wahrscheinlich ein Kollege des Finanzgenies aus dem 1. Kommentar. Hoffen wir, dass er mit wenig Geld auskommt, bei der Steuerhinterziehung nie erwischt wird und auf gar keinen Fall mal ein Wasserhahn in seiner Mietwohnung tropft.

Kurz gesagt: die BILD macht es ihren Leser/innen schon schwer, wenn sie eine irreführende Überschrift und einen falschen Kommentar posten. Die Leser/innen verlassen sich aber auch zu gern darauf, dass man durch eine kurze Überschrift schon alles weiß und paaren es mit der falschen Annahme, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Von insgesamt über 1300 Kommentaren sind uns vielleicht 10 von Leuten aufgefallen, die auf den tatsächlichen Kontext hinweisen und auch die falsche Aussage der Online-Redaktion durch Chartplatzierungen zu korrigieren versuchten.
In den sozialen Netzwerken ist man wirklich auf verlorenen Posten, wenn man sich nicht einfach sinnbefreit über irgendwas aufregen will.

Info: am Freitag berichten wir über die neue Single von Prince Damien. Und wir haben noch nicht einmal den Mindestlohn dafür erhalten. Wir machen das einfach nur so, aus Freude. Hätten wir mal die Finanztipps der Facebook-Nutzer befolgt, dann hätten wir jetzt nicht mehr genug Freizeit, um sich so einem Schmarrn hinzugeben.

Bild: Facebook Screenshot am 25.10.2016

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