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#SingmeinenSong: Im Reality-Check durchgefallen

Die Idee und die Sendungen von Sing meinen Song – Das Tauschkonzert sind in erster Linie richtig gut. Wenn da nur nicht diese Hochglanz-Optik wäre, die aber typisch ist für einen – etwas zu lang geratenen – Werbespot.

Klar, an einem TV-Format wie Sing meinen Song machen Musiker mit, um über Sendezeit und Medienberichte Werbung in eigener Sache zu machen. Und das klappt ja im Prinzip auch ganz gut.

Wenn man aber zu viel Wert darauf legt, das ganze wie einen glattpolierten Werbespot wirken zu lassen, wirkt es irgendwann nicht mehr authentisch.
Egal wie bekannt (…oder eben nicht) ein Musiker ist. Egal wie viele Jahre im Geschäft und wie viele davon eher erfolglos: alle sind totale Superstars, haben super viel Talent und sind überhaupt die Geilsten. Man kommt sich schon vor, als wäre es die Ur-Väter der, sich selbst überschätzenden, Kandidaten von „Bachelorette“.

Musiker dürfen Ecken und Kanten haben. Nein, sie müssen es vielleicht sogar. Ein schiefer Ton ist kein Problem, mal den Text zu vergessen keine Schande, solange das transportierte Gefühl einfach echt und authentisch ist.
Es bleibt aber nicht viel Authentizität, wenn man über 2-2.5 Stunden lang nur Puderzucker sonst wo hineinbläst.
Mögen sie doch bitte endlich aufhören, die Songs einfach 1:1 nachzusingen. Und möge doch bitte endlich mal einer sagen: „Ich verstehe, warum Du Dir den Song ausgesucht hast. Aber warum hast Du nicht mal richtig abgerockt, anstatt die Schnulze noch schnulziger zu machen!?“.

Ihr dürft Euch ja alle gut verstehen. Und Eure Plattenfirmen dürfen auch alle beste Kontakte untereinander pflegen. Aber es ist unmöglich, dass jedem immer wirklich alles total super, grandios, legendär und einzigartig gut… gefällt.
Ja, das sind die Gedanken, wenn man sich die Sendung vor dem Fernseher sitzend anschaut und nicht ein einziges mal auch nur ansatzweise einen kritischen Unterton hört.

Ich erinnere mich an einen Gruß von Jon Bon Jovi an einen Castingshow-Kandidaten, es ist schon viele Jahre her: „Ich wünsche Dir viel Glück. Und hoffentlich gewinnst Du, damit Du schon bald Deine eigenen Songs singen kannst.“
Und nein, das klang nicht unbedingt so, als würde er dem unbekannten Typen eine fantastische Karriere wünschen. Es klang viel mehr nach einem: „…hoffentlich versaust Du nicht noch einmal eines unserer Lieder in aller Öffentlichkeit.“

Video: Gentleman mit „Shake Away“ (Cover, M.P. Kelly)

Aber vielleicht ist unsere Gesellschaft auch nicht mehr auf Realität eingestellt. Immerhin folgen sogar auf völlig harmlose Bilder von Stars und Sternchen diverse „Shitstorms“ von Menschen, die grundsätzlich alles besser wissen und sich am Smartphone für die oberste Instanz halten. Und wer auch morgen noch von seiner Kunst leben will, hat sich dem gefälligst anzupassen, oder muss sich wieder einen normalen Job suchen.
Sehr schade, denn Künstler bei einem konstruktiven Austausch zu erleben, würde ich noch sehr viel interessanter finden.

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