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Zwischen Rassismus und Islam-Propaganda: Die Aufregung um einen „KIKA-Film“ | Kommentar | #KIKA

 

935 transparentKIKA ist ein TV-Sender für Kinder und Jugendliche, der
gemeinsam von der ARD und dem ZDF betrieben wird. Für die Reihe „Schau in meine
Welt“ produzierte der Hessische Rundfunk „HR“ den kurzen Film „Malvina, Diaa und
die Liebe“, der seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit für Wirbel
sorgt.

In der, etwa halbstündigen, Dokumentation berichten die
wahrscheinlich 16jährige Malvina und der vermutlich 20jährige Diaa, mit
richtigen Namen wohl Mohammed, über ihre gemeinsame
Liebesbeziehung.

Anhand der ungewöhnlichen Altersnennungen kann man
schon ein Problem an der ganzen Geschichte erkennen. Anfangs stand wohl auf der
KIKA-Internetseite, Diaa wäre 17 Jahre alt. Der Sender räumte hier allerdings
bereits einen Fehler ein und korrigierte das Alter auf 19 Jahre. Mittlerweile
ist aber die Rede davon, dass er bereits seinen Geburtstag feierte und nun 20
Jahre alt ist. Ob seine Partnerin nun noch 16 Jahre ist, oder mittlerweile auch
schon älter, erschließt sich uns trotz zahlreicher Aufklärungs- und
Erklärungsversuche an vielerlei Stellen (noch)
nicht.


Was Kritiker an diesem Film stört…

…ist hauptsächlich die Tatsache, dass eine
problematische Beziehung zweier Jugendliche dem jungen Zielpublikum unkommentiert
präsentiert und somit als „normaler
Zustand“
dargestellt wurde.
Problematisch sind hierbei die verschiedenen
Kulturkreise und Lebensgewohnheiten des Paares, die nun sprichwörtlich unter
einem Hut gebracht werden müssen.
Hierzu gehören beispielsweise, dass Diaa in
diesem Film darüber spricht, dass er durchaus seine Probleme mit Homosexualität
hat, er schon mal angefragt hat, ob seine Freundin sich nicht vorstellen könnte
ein Kopftuch zu tragen, sie nicht ihren platonischen Schulfreund zur Begrüßung
umarmen sollte oder ihr Partner auch genaue Vorstellungen und Wünsche zur Frage der
Bekleidung oder Essgewohnheiten hat.


Auf der anderen Seite…

…erklärte aber die Medienexpertin Maya Götz in der
heutigen Ausgabe „Engel fragt“, die der Hessische Rundfunk aufgrund der
aktuellen Entwicklungen speziell diesem Thema widmete, dass die, von ihr
befragten Jugendlichen, gar keinen Kommentar benötigten, um die Problematik zu
erkennen. Im Gegenteil: viele der Befragten hätten äußerst kritisch reagiert,
einige sogar fast schon ausländerfeindlich.

Tatsächlich zeigt der Film
auch, dass sich Malvina lediglich bei zwei Themen kompromissbereit zeigte:
besonders kurze Hosen zu tragen oder Schweinefleisch zu essen seien ihr nicht so
wichtig, deswegen habe sie gern darauf verzichtet. Auf eine möglichst baldige
Heirat, oder einem Verbot ihren platonischen Freund zu umarmen, zum Islam zu
konvertieren oder ein Kopftuch zu tragen, reagierte das junge Mädchen nicht so
kompromissbereit und lehnte es – zumindest bisher –
ab.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte…
…,.. da bildet auch dieses Thema keine Ausnahme.
Tatsächlich hat der hessische Rundfunk durchaus die Problematik einer solchen
Beziehung versucht zu thematisieren
und es war nicht zwingend notwendig, dieses beispielsweise durch einen
„Off-Kommentar“ weiter zu verdeutlichen. Das zwei Menschen aus unterschiedlichen
Kulturen es schwieriger haben, ihre individuellen Vorstellungen in einer
Beziehung zu verwirklichen, werden auch Zuschauer aus der Zielgruppe verstanden
haben.

Der Sender hat diese Thematik aber durchaus verharmlost und zu
romantisch dargestellt, indem er sich förmlich ein echtes „Traumpaar“
herausgesucht hat. In der Realität ist der Konflikt der Kulturen längst nicht so
einfach zu bewältigen, wie es in dieser kurzen Dokumentation den Anschein
macht.

Deswegen kritisierte man auch unter anderem, dass das Thema
„Trennung“ hier nicht ausführlicher beleuchtet wurde. Diese, so heißt es wohl zu
Recht, finden in dieser Konstellation nur selten auf Augenhöhe statt und enden leider viel zu häufig mit Einschüchterungsversuchen, Gewalt oder, wie zuletzt in Kandal, sogar mit einem Mord.

Zwischen Rassismus und Islam-Propaganda

Die Diskussion um diesen Film nimmt einen Verlauf, der
in Deutschland leider mittlerweile typisch geworden ist. Es gibt in unserer
Gesellschaft derzeit nur „schwarz oder weiß“, „rechts oder links“, „friss oder
stirb“. Jegliche Zwischenräume wurden
abgeschafft.


Während die Kritiker des Films allesamt als Rassisten
beschimpft werden, wirft man dem TV-Sender die Veröffentlichung von
Islam-Propaganda, finanziert durch deutsche Rundfunkgebühren, vor.

Die Diskussionskultur ist schon lange zur Diffamierungskultur
geworden.

Dies wird unter anderem auch von Medien und
Medienvertretern gefördert, die nur das wiedergeben, was in ihr eigenes Weltbild
passt.
Die HR-Sendercheffin erklärte beispielsweise in der Ausgabe von „Engel
fragt“, dass sie ein aufgezeichnetes Interview mit Diaa kurzentschlossen aus dem
Programm genommen hätten, weil dieser von extremistischen Islamisten wegen
seiner zu modernen Lebensweise Drohungen erhielt.
Nur wenige Minuten später
wurden vom Moderatoren der Sendung „Morddrohungen von der rechten Seite“ daraus.
Er korrigierte es in einem Nebensatz dann noch schnell mit „…von allen
Seiten…“.
Die BILD, die zuvor die Ausstrahlung des Filmes kritisierte,
übernahm das originale Zitat der Sendercheffin und sprach von Drohungen durch
Islamisten. Der FOCUS hingegen wollte lieber ein anderes Bild vermitteln und gab
deswegen „Morddrohungen durch Rechtsextremisten“ an seine Leser- und Leserinnen
weiter.
Eine gefährliche Stimmungsmache, für ein sowieso schon gespaltenes
Land.


Das Diaa aus dem Film die Facebook-Seite eines Hass-Predigers folgte, erklärte der Sender übrigens so:

DTb8LrSWAAIoJQM


An einem Gewinnspiel teilnehmen. Auf der Computermaus ausrutschen. Gibt es eigentlich ein Buch mit den 100 dümmsten Ausreden für Fehltritte im Internet?
Wie man sieht, sind die Menschen sich manchmal ähnlicher, als sie denken. Und trotzdem ist das Land so gespalten und erlaubt sich selbst nicht mehr, konstruktiv und lösungsorientiert zu diskutieren. Schade, …oder?

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, wird hier fündig: „Engel fragt“ vom 13. Januar 2018 (inklusive des Doku-Films)

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