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Quotenkrise bei Big Brother 2020: Mit „Twitch“ und gebrochene Tabus raus aus dem Keller?

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Bevor der erste Bewohner eines der Häuser von Big Brother 2020 bezog, mutmaßten wir, dass das Format ab Tag 61 mangels Erfolg auf dem kleineren Schwestersender „sixx“ verschoben werden könnte.
Wir würden nicht über Big Brother berichten, vor allem nicht so intensiv, wenn wir dem Format nichts abgewinnen könnten. Im Gegenteil, wir haben größten Respekt vor der „Mutter aller Reality-Formate“. Die Ansprüche erschienen uns aber wieder einmal deutlich höher, als das, was das Format in der Realität zu leisten imstande ist.

Schon in der ersten Woche waren die Einschaltquoten von Big Brother alles andere, als ein Grund zur Freude. Mit rund 7.3% war man weit vom Ziel der zweistelligen Werte entfernt und nicht nur wir sahen das „bigbrotherfreie“ Wochenende eher kritisch: die Zuschauer hatten keinerlei Grund, am Montag wieder einzuschalten, das Format und die Menschen waren schon wieder „…aus den Augen, aus dem Sinn…“.
Gemessen in Zahlen hieß das am Montag: 6.1% Marktanteil nach einem Wochenende ohne Big Brother.

Zudem kommt, dass die Tageszusammenfassungen unkommentiert und ohne jeglichen Witz ausgestrahlt werden. Genau das ist aber das Geheimnis bei den Promi-Formaten, bei denen man mangels Livestream auch nicht den Alltag der Bewohner nachvollziehen kann.
Die deutlich kürzere Laufzeit und das absehbare Ende, mit dem der Eventcharakter unterstützt wird, kommt natürlich noch dazu.
Ein weiterer Faktor ist die vorhersehbare Liveshow, die mit Wechselmatch, einer weiteren Zusammenfassung, Nominierung oder Auszug, nun wochenlang den gleichen Ablauf haben könnte.

Die Ursache für die geringen Einschaltquoten ist also nicht allein am fehlenden Livestream auszumachen. Fakt ist, dass die privaten TV-Sender Wirtschaftsunternehmen sind: wäre damit ein Gewinn einzufahren, würde man wohl auch eher nicht darauf verzichten.
Überhaupt hat der Livestream einen anderen Stellenwert, als eine Tageszusammenfassung und spricht damit eine andere Zielgruppe an. Verfolgt man das Geschehen überwiegend live, kann man die Charaktere und deren Verhalten bestens studieren. Das ist aber ein komplett anderes Fernseherlebnis, als würde man die Zusammenfassung mit ironischen und selbstironischen Kommentaren versehen zur Unterhaltung ausstrahlen.

Eine Möglichkeit beides zu verbinden, auch noch in der laufenden Staffel, wäre die Plattform „Twitch“. In den USA ist es längst üblich, dass große Entertainment-Unternehmen eigene Kanäle beim Streaming-Anbieter pflegen. U.a. gehören hierzu auch „IMPACT Wrestling“, für die ein eigener TV-Deal oft nicht lukrativer wäre.
SAT.1 könnte in Deutschland eine Pionier-Rolle einnehmen und auch „Twitch“ könnte massiv davon profitieren, wenn sie hierzulande mit einem so großen Partner den Bekannheitsgrad deutlich erhöhen würden. Eine Win-Win-Situation über das TV-Format Big Brother hinaus.
Vor und nach jeder Sendung für etwa 2-3 Stunden live ins Haus zu schalten, besonders am Montag nach der Liveshow, wo man die Reaktionen auf Nominierungen und Auszüge live miterleben kann, hätte deutliche Vorteile: neue Zuschauer gewinnen, die über „Twitch“ überhaupt darauf aufmerksam werden, alte Zuschauer zurückgewinnen und am Format binden, die sich sehnlichst einen Livestream wünschen.
Vor allem aber würde man das Thema „Big Brother“ in den sozialen Medien stärker aufleben lassen und so dafür sorgen, dass es nicht an Tagen ohne Sendung aus der Wahrnehmung verschwindet.
Die Chance, dass SAT.1 es so machen wird? Äußerst gering! Nicht, weil es nicht gut wäre, sondern weil TV-Sender grundsätzlich gar nichts machen (…vor allem nicht so schnell), ohne vorher alles 100 Mal durch Marktforschungsumfragen analysieren zu lassen. Bis die durch sind, ausgewertet und alles besprochen haben, ist Big Brother 2020 schon längst Geschichte. Und wer weiß, was noch alles.

SAT.1 hat in diesem Jahr aber tatsächlich nicht alles falsch gemacht. Die ständige Konfrontation mit der Außenwirkung beispielsweise hat zwar nichts mehr mit dem ursprünglichen Konzept zu tun, ist aber tatsächlich sehr interessant.
Mit diesen beiden Parallelgesellschaften, die SAT.1 mit den beiden Häusern schuf, hat man ein unterhaltsames, soziales Experiment gestartet, welches leider nur viel zu wenige Menschen sehen.

Es wäre wünschenswert, dass man beim Sender schnell auf die sinkenden Einschaltquoten reagiert und das Format vor einem endgültigen Aus, was die „Normalos“ betrifft, retten kann. Ob der Sender hierfür einen Plan B in der Tasche hat?
Uns wäre es auch Recht, wenn Grenzen ausgereizt und Tabus gebrochen werden, denn Big Brother war in der Anfangsphase schon genau dafür bekannt und sollte sich im Einheitsbrei nicht selbst verlieren.

📺 Big Brother 2020 im TV
Mo.-Fr., SAT.1 – 19:00 Uhr – Big Brother – Die Tageszusammenfassung
Mo., SAT.1 – 20:15 Uhr – Big Brother – Die Liveshow
Mo., sixx – im Anschluss der SAT.1 Liveshow: Late Night Talk

Bilder: SAT.1/9:35 Uhr

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