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Fan-Boxen & Deluxe-Alben: …eher nicht aus Liebe zu den Fans!

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Bevor das Internet unsere Wohnzimmer und später sogar unsere Hosentaschen eroberte, verdienten Musiker ihr Geld mit dem Verkauf ihrer Singles und Alben. Konzerte waren vorwiegend dafür gedacht, den Verkauf der veröffentlichten Songs noch weiter anzukurbeln.
Das hat sich allerdings mit dem Ausbau des Internets völlig geändert. Illegale und halb-legale Downloads, Streaming-Portale, auf denen man für wenig Geld so ziemlich alles hören kann, was der Markt bietet – das sind die Gründe dafür, dass man mittlerweile die Konzerte nicht mehr als Promo für das Album, sondern eher das Album als Promo für die Konzerte ansieht. Die gestiegenen Ticketpreise schlagen in die gleiche Kerbe.

Immer beliebter werden auch die Veröffentlichung von sogenannten „CD- / Alben-Boxen“. Die machen vielleicht manchmal den Eindruck, als würde der Star sie aus Liebe zu seiner Fan-Gemeinde anbieten, aber das täuscht…

  • Boxen gegen illegale Downloads
    Im Normalfall könnte sich ein Fan die Songs eines neuen Albums auch einfach auf illegalen Wege im Internet besorgen. Also muss ein Mehrwert geschaffen werden, der den Fan davon abhält. In diesen Boxen befinden sich meistens bestimmte Fan-Artikel oder Goodies, die es so nicht zu kaufen, vor allem aber nicht zum downloaden gibt.
  • Loyalität der Fans nutzen
    Der Star nutzt die Loyalität seines Fans, der für gewisse exklusive Extras gern tiefer in die Tasche greift und damit etwas besitzen und sammeln kann, was der Gelegenheits-Hörer nicht hat.
  • Positiver Effekt auf Chart-Platzierungen
    Die Charts werden nach einem Punktesystem aufgestellt. 1 Punkt gibt es, wenn ein Song 4x im Stream angehört wird. 1 Punkt gibt es auch für den Verkauf einer CD im Wert von 12 Euro. Verkauft der Star aber eine Box im Vorverkauf für z.B. 48 Euro, dann gibt es direkt 4 Punkte.
    Auf diese Weise ist es dem Künstler möglich, direkt zum Tag der Veröffentlichung sein Album in die Charts zu bekommen; aus PR-Gründen natürlich ein Idealfall. Musik-Fans werden auf das Album aufmerksam und Radio-Sender spielen es in ihren Chart-Sendungen, was auf der einen Seite auch wieder Geld, gleichzeitig aber auch weitere Aufmerksamkeit bringt.
  • Unboxing Videos
    Beim Thema Aufmerksamkeit kommt man auch zwangsläufig zum Thema „Unboxing Videos“. Die werden von Webvideo-Produzenten, also YouTubern, Influencern und auch ganz normalen Fans hergestellt und zeigen, wie sie die Boxen auspacken und den Inhalt bewerten. So eine normale, handelsübliche CD ist dafür eher nicht geeignet: Folie weg, CD rausholen, Booklet anschauen, fertig. Eine Box bietet da natürlich mehr Möglichkeiten und der Künstler ist durch die Videos viel mehr im Gespräch.
  • Besonders clever: die Zweitverwertung
    Ob Alt-Stars oder angesagt Teenie-Lieblinge: schon längst veröffentlichen Musiker aus allen Genres und Altersklassen ihr altes Material einfach ein zweites Mal. Bei dem einen Künstler gibt es 1-3 unveröffentlichte Songs dazu, ein anderer packt einfach 3 Live-Mitschnitte oder akustische Studio-Versionen dazu. Wieder andere Live-Mitschnitte einiger Songs aus legendären Konzerten von vor mehreren Jahrzehnten.
    Und schon hat man das alte Material zweitverwertet, packt eine DVD mit einem Interview oder ein Poster dazu und hat ohne großen Aufwand eine neue Möglichkeit, mit dem gleichen Material noch einmal ordentlich Cash zu generieren.

Besonders die Zweitverwertung von bereits veröffentlichten Songs kann aber noch auf eine weitere Spitze getrieben werden: mit „DELUXE“-Veröffentlichungen eines Albums.
In diesem Fall spart man sich sogar die ganzen Extras, die aufwändig gestalteten Boxen, Merchandise-Artikel und was es sonst noch gibt. Stattdessen nimmt man das gleiche Material, packt noch 2-3 Live-Mitschnitte oder akustische Versionen auf die CD und bezeichnet es als „Deluxe“-Version. Luxus ist hier aber wohl nur das Privileg, dass man es tatsächlich schafft, dem Fan mit einem nahezu identischen Produkt ein zweites Mal das Geld aus den Taschen zu ziehen. Mit den früheren Veröffentlichungen von reinen Live-CD´s, die immerhin dann noch einmal eine Produktionsschleife durchliefen, kann man das wohl nicht mehr vergleichen.

 

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