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Kommentar – Sommerhaus der Stars: RTL führt Alkoholkranken und Betrunkenen den Zuschauern vor

Für die Freunde des Trash-TV´s sollte der gestrige Abend eigentlich ein kleiner TV-Feiertag inmitten der Woche werden: RTL startete mit der neuen Staffel von „Das Sommerhaus der Stars“, welches wegen Corona in diesem Jahr von Portugal ins Münsterland verlegt wurde.
Leichte Unterhaltung mit mediengeilen Paaren, die sich selbst bloßstellen, humorvoll kommentieren und alle Seiten haben gewonnen: die Teilnehmer Sendezeit und Gage, der Sender die Einschaltquote und Werbeeinnahmen, der Zuschauer die Erkenntnis, dass man froh sein kann, sein Geld nicht so verdienen zu müssen.

Die Vorankündigungen versprachen auch schon ordentlich Zoff und Streitigkeiten. Gut, die TV-Sender übertreiben immer mit solchen Zusammenschnitten, aber man konnte ja mal einschalten und sehen was wirklich passieren würde.

Und dann kam es gefühlt irgendwie anders…

Von Minute zu Minute wurde deutlicher, dass RTL im Sommerhaus unter anderem einen Alkoholkranken am TV-Format teilnehmen ließ. Er bestätigte es dann auch, als er seinen morgendlichen Alkoholkonsum mit „…es geht nicht anders…“ kommentierte.

Außerdem wurde auch deutlicher, dass die Person unter diesen Alkoholeinfluss zunehmend unberechenbarer wurde.

Sicherlich ist „Das Sommerhaus der Stars“ eigentlich kein Format, um eine Sucht ernsthaft zu thematisieren. Aber wenn man sich schon dazu entscheidet, die Szenen auszustrahlen, dann vielleicht ohne spöttische Kommentare und mit entsprechenden Einblendungen, wo man sich als Betroffene/r Hilfe holen kann.
RTL hätte die Zuschauer mit den gezeigten Szenen, hätte man sie anders präsentiert, abholen können: schaut her, hier ist jemand, der hat mit Alkohol ein Problem. Schaut wie er sich verhält und solltet Ihr Euch darin erkennen, dann holt Euch bitte Hilfe.

So war es aber nicht.

Stattdessen zeigte der Sender noch das Besäufnis eines anderen Teilnehmers, der am Abend schon nicht mehr richtig laufen konnte und die anderen Teilnehmer nicht mehr erkannte. Er suchte anfangs den Streit mit seiner Partnerin und als andere Teilnehmer aus Angst vor einer Eskalation dazwischen gingen, auch mit denen. Was abseits der gezeigten Szenen noch ablief, kann man nur spekulieren. Aber vielleicht endete es nicht mit der Androhung von körperlicher Gewalt, den massiven Beleidigungen und weiteren Drohungen, sollte der andere Kandidat nicht sofort das TV-Projekt verlassen.

In diesen Streit zwischen Betrunkenen und Alkoholkranken wurden alle anderen mit reingezogen und am – zumindest im TV zu sehenden – Ende sogar bespuckt. Und das alles im Sinne der TV-Unterhaltung?

RTL wäre in der Lage gewesen, diese Eskalation entsprechend aufzubereiten und den eigentlichen Pfad dieses Formates zu verlassen. Man entschied sich aber stattdessen, die Personen vorzuführen und erst später, in der Sendung „SternTV“, sachlich über das Thema zu Reden. Das war viel zu wenig. Und vor allem viel zu spät.
Mit der zweiten Ausgabe hätte man dann wieder den Pfad der reinen TV-Unterhaltung weiter gehen können. Warum? Weil der Alkoholkranke mit Sicherheit das Projekt durch eine Nominierung verlassen wird und man den Betrunkenen durch massive Reduzierung des Alkoholvorrates hätte im Griff bekommen können.

Für RTL nicht nur eine verpasste Chance, sondern auch ein klarer Tritt über die Grenze dessen, was man eigentlich unter TV-Unterhaltung versteht. Es hätte Flexibilität, Kreativität, Menschlichkeit und vielleicht ein wenig Mut erfordert, die Tragik in dieser Entwicklung zu zeigen: dem Sender fehlte es offenbar an allem.

Hinweis!
Wir haben uns bemüht in der 👉🏻Zusammenfassung der Sendung sowohl den humoristischen, unterhaltsamen Teil des Formates, sowie den hier thematisierten Grenzüberschritt gerecht zu werden.
Vor allem empfanden wir es aber in diesen Kommentar nicht für notwendig, noch einmal die Namen der Beteiligten zu nennen.

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